Mediation: Ein Weg zu konstruktiven Lösungen

Mediation: Ein Weg zu konstruktiven Lösungen

Die häufigste Form der Konfliktlösung ist in Deutschland noch immer der Weg zu einem Rechtsanwalt und dann weiter zu Gericht. Nicht selten kommt es auch vor, dass Konflikte umgangen werden, da sie durch die Parteien als nicht schwerwiegend genug betrachtet werden, um sie zum Gegenstand einer rechtlichen Auseinandersetzung zu machen. Dabei gibt es eine Vielzahl verschiedener Instrumente zur außergerichtlichen Befriedigung eines Streits. Eines dieser Instrumente ist die Mediation. In diesem Blogbeitrag werfen wir einen Blick auf die Grundlagen der Mediation, ihre Vorteile und wie sie in verschiedenen Lebensbereichen eingesetzt werden kann.

Was ist Mediation?

Die Mediation ist ein strukturiertes Verfahren, das von einem oder mehreren Mediatoren als neutralen, unabhängigen Dritten durchgeführt wird. Sie beruht auf den Prinzipien der Freiwilligkeit, Eigenverantwortlichkeit und der Gemeinsamkeit. Ziel der Mediation ist es, eine gemeinsam erarbeitete Lösung zu finden. Einer der großen Vorteile der Mediation bietet der vertrauliche Rahmen. Dadurch wird es ermöglicht Konflikte zu klären, die aus Gründen der Privatsphäre nicht Gegenstand einer öffentlichen Gerichtsverhandlung sein sollen oder die einer gerichtlichen Klärung schlicht entzogen sind. Letzteres trifft besonders bei familiären Konflikten zu, beispielsweise der Frage, ob die pflegebedürftigen Eltern in das gemeinsame Haus mit einziehen sollen oder im unternehmerischen Kontext etwa innerbetriebliche Streitigkeiten zwischen Mitarbeitern.

Die Phasen der Mediation

  1. Vorbereitung: Zu Beginn einer jeden Mediation steht die Vorbereitung. Zunächst führe ich ein erstes kurzes Telefonat mit den Parteien, in dem sie das Streitthema benennen. Dabei prüfe ich, ob das Thema für eine Mediation geeignet ist. Anschließend klären wir den zeitlichen und örtlichen Rahmen der Mediation. Ein neutrales Umfeld hat sich hierbei bewährt; pro Sitzung sollten jedoch nicht mehr als drei Stunden eingeplant werden.
  2. Eröffnung:Beim ersten Termin erläutere ich den Beteiligten das Verfahren in einer vertrauensvollen Atmosphäre. Wir schließen einen Mediationsvertrag, der die wesentlichen Grundsätze festhält – vor allem die Vertraulichkeit und die Verpflichtung zur konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Ziel eine „Win-Win“ Lösung zu finden. Auch die Kosten für das Verfahren werden im Vertrag geregelt.
  3. Erarbeitung der Themen: Jede Partei hat nun die Möglichkeit, ihre Sichtweise darzulegen. Ich höre aktiv zu und stelle sicher, dass alle Ansichten gehört werden und der Raum dafür geschaffen wird, diese offen und vertrauensvoll zu besprechen. Anschließend identifizieren wir die Kernprobleme und Interessen, die zur Konfliktsituation geführt haben. Hierbei wird zwischen Positionen (was gefordert wird) und Interessen (warum das gefordert wird) unterschieden.
  4. Ideenfindung: Die Parteien entwickeln eigenständig Lösungen, während ich den Prozess durch gezielte Impulse unterstütze und kreatives Denken anrege. Ich fördere den Austausch von Ideen und helfe, mögliche Kompromisse auszuloten, ohne jedoch eigene Lösungsvorschläge einzubringen. Die Verantwortung für die Lösungsfindung liegt ausschließlich bei den Beteiligten.
  5. Einigung: In dieser Phase werden die gefundenen Lösungen konkretisiert und dokumentiert. Ziel ist es, einen verbindlichen Vertrag oder eine Vereinbarung zu erstellen.
  6. Nachbereitung: Oft ist es sinnvoll, nach einiger Zeit einen Follow-up-Termin zu vereinbaren, um den Fortschritt zu überprüfen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Welche Lösungen haben sich bewährt? Welche müssen angepasst werden, da sie sich als nicht praktikabel erwiesen haben? 

Vorteile der Mediation

Die Mediation basiert auf der freiwilligen Teilnahme aller Konfliktparteien, was ein offenes und ehrliches Gesprächsklima fördert. Zudem führt Mediation zu stabileren Ergebnissen und höheren Akzeptanz aufgrund der gemeinsam abgestimmten sowie vereinbarten Lösungen. Im Vergleich zu langwierigen Gerichtsverfahren, deren Dauer mittlerweile mehrere Jahre beträgt, kann durch Mediation eine schnellere Lösung erzielt werden. Nicht zu unterschätzen ist ebenso die Tatsache, dass Gerichtsverhandlungen häufig öffentlich stattfinden. Die Gespräche und Ergebnisse der Mediation bleiben hingegen vertraulich, was besonders in sensiblen Angelegenheiten von großer Bedeutung ist. 

Fazit

Mediation ist ein kraftvolles Werkzeug, um Konflikte konstruktiv zu lösen. Sie fördert Kommunikation, Verständnis und Zusammenarbeit und ist in vielen Lebensbereichen anwendbar. Indem wir Mediation als eine Option in Betracht ziehen, können wir dazu beitragen, eine harmonischere und kooperativere Gesellschaft zu schaffen. Wenn Sie das nächste Mal in einen Konflikt geraten, denken Sie daran: Manchmal kann ein Gespräch, geführt von einem neutralen Dritten, der Schlüssel zu einer Lösung sein. Unsere Kanzlei für Mediation und Beratung unterstützt Sie hierbei gerne. Sprechen Sie uns an!

Wenn Sie noch nicht von der Wirksamkeit der Mediation überzeugt sind, möchte ich Sie auf den Blog Beitrag von Prof. Sascha Weigel (2019) sowie die Studie von Prof. Peter Kaiser und Andrej Marc Gabler (2014)* hinweisen.

*Link zu ResearchGate, wo die Studie von den Autoren zum Download freigegeben ist:  Prozessqualität und Langzeiteffekte in der Mediation

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